Vortragsreihe zu Care, Wissen und Widerstand

„(F)empowering Mutterschaft – Mutterschaft und Demokratie “

In Zeiten, in denen Gleichstellungsarbeit und feministische Errungenschaften nicht nur in Sachsen-Anhalt zunehmend infrage gestellt werden, möchte die Vortragsreihe Mutterschaft als gesellschaftspolitischen und demokratischen Erfahrungsraum sichtbar machen. Mutterschaftsdiskurse prägen Vorstellungen von Familie, Geschlecht, Arbeit und Fürsorge – und damit auch die Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens. Wir verstehen Mutterschaft als einen Ort von Verantwortung, Beziehungsethik und Solidarität, zugleich aber auch als Schauplatz politischer Auseinandersetzung: Wer gilt als „gute Mutter“? Wer darf Mutter sein? Und wessen Fürsorge findet gesellschaftliche Anerkennung?

In Kooperation mit dem Pilotprojekt „Mutterschaft und Wissenschaft“ des Projektes Fempower Vision der Koordinierungstelle Geschlechterforschung und Chancengleichheit Sachsen-Anhalt und dem Netzwerk Mutterschaft und Wissenschaft lädt das icp im Rahmen der Reihe Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen und Kulturschaffende dazu ein, neue Narrative von Mutterschaft zu entwickeln – jenseits konservativer oder antifeministischer Engführungen – und Räume feministischer Demokratiebildung zu öffnen.

 

Die „gute Mutter“ zwischen konservativer Norm und rechten Angeboten
Marie Kypke-Reusch, Viktoria Rösch

20.04.2026 | Online | 14:00 – 15:30 Uhr 

Mutterschaft ist für die extreme Rechte ein zentraler ideologischer Bezugspunkt. Entsprechend sind autoritäre und extrem rechte Zugriffe auf Mutterschaft historisch und zeitgenössisch weit verbreitet. Auffällig ist dabei, dass das propagierte Ideal der „guten Mutter“ uns vertraut ist aus gesamtgesellschaftlich vorherrschenden, konservativ geprägten Mutterschaftsdiskursen. Das nehmen wir zum Ausgangspunkt und fragen in unserem Vortrag ob bzw. wo eine Grenze verläuft zwischen „noch konservativen“ und „schon rechten“ Mütterbildern, welchen Gehalt eine Grenzziehung analytisch hat und wem diese Unterscheidung dient. Zudem fragen wir, wie rechte Deutungen von Mutterschaft kritisiert werden können, ohne die Kritik an konservativen Normalisierungen aus dem Blick zu verlieren.

Infos und Anmeldung bitte an: czerney@kgc-sachsen-anhalt.de

 

Gerechte Geburtshilfe statt ideologisierte Mutterbilder
Eva Tolasch & Clara Eidt 

22.06.2026 | Online | 14:00 – 15:30 Uhr 

Das Verhältnis von Demokratie und Mutterschaft loten Tolasch und Eidt in ihrer explorativen qualitativen Untersuchung zu Erzählungen von Hebammenstudierenden aus. Sie zeigen, dass Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett politisch sind. Denn diese besonderen Lebensereignisse werden nicht von allen Mütter* gleichermaßen – trotz Standards und Leitlinien – sicher und unterstützend erlebt. Reproduktive Gesundheitsversorgung ist vielmehr von strukturellen Ungleichheiten geprägt, die entlang von etwa Klasse, Herkunft, Geschlecht, geografischer Lage, Aufenthaltsstatus oder Körpernormen gesundheitliche Versorgungsqualität bestimmen. Mutterschaft wird dabei als sozial und institutionell strukturiertes Feld verstanden, was (un)gleiche vergeschlechtlichte (Sorge-)Positionen hervorbringt. In diesem Setting analysieren die Referentinnen, inwiefern Vielfalt (nicht) gelebt werden kann. Ausgehend von einem demokratischen Grundverständnis stellt sich die Frage, wer unter welchen Bedingungen (k)einen Zugang zu Unterstützung, Ressourcen und Handlungsspielräumen für ein gutes gesundheitliches Wohlbefinden erhält? Vom Standpunkt der reproduktiven Gerechtigkeit eröffnet der Vortrag Ansatzpunkte für eine solidarische, diversitätsgerechte Geburtshilfe jenseits biologistischer und heteronormativer Narrative sowie rechter Mutterideologien.

Infos und Anmeldung bitte an: czerney@kgc-sachsen-anhalt.de

 

Vergangene Veranstaltungen: 

Matreszenz | Muttertät: Eine Einordnung der Transformationsphase Mutterwerdung.

Hanna Meyer, Svenja Krämer 

12.1.2026 | Online | 14:00 – 15:30 

Der erste Vortrag widmete sich dem Konzept Matreszenz | Muttertät und damit der Idee, Mutterschaft nicht nur als biographisches Ereignis, sondern als tiefgreifenden psychischen, körperlichen und sozialen Transformationsprozess zu verstehen. Hanna Meyer und Prof. Dr. Svenja Krämer beleuchteten, welche Veränderungen und Herausforderungen in verschiedenen Lebensbereichen im Zuge der Mutterwerdung entstehen können. Diese Perspektiven wurden sowohl individuell als auch strukturell betrachtet und eröffnen damit einen umfassenden Blick auf Mutterschaft als Entwicklungsprozess.